Aktuelles aus der Imkerei

Kunstschwarm und Gartentipp

In diesem Blogbeitrag erklären wir, wie man einen Kunstschwarm erstellt und stellen euch zudem die Kapuzinerkresse als beliebte Pflanze für Bienenwiesen vor.

Kunstschwarm

Solche Jungvölker können ohne grosse Vorbereitungszeit gebildet werden und die Chance, dass die neue Königin angenommen wird, ist nahezu hundert Prozent. Dadurch, dass Bienen und Brut getrennt werden, eignet sich ein Kunstschwarm auch zur Sanierung von Völkern mit Brutkrankheiten. Ein Kunstschwarm wird am besten mit einer begatteten Königin erstellt, um das Risiko zu vermeiden, dass die Königin beim Begattungsflug verloren geht.        
So bildet man einen Kunstschwarm:    

  1. Schwarmkiste bereit stellen  
    Als Vorbereitung am besten eine Schwarmkiste bereit machen, die man im Leerzustand gewogen hat. Es lohnt sich, alle Schwarmkisten gleich mit dem Leergewicht anzuschreiben.


  2. Königin in den Zusetzer     
    Die neue Königin, befindet sich gemeinsam mit 2-3 Pflegebienen und etwas Futterteig in einem fest verschlossenen Zusetzer und kommt in die Schwarmkiste.
  3. Bienen in die Schwarmkiste geben
    Danach selektiert man aus den eigenen Völkern möglichst starke Kandidaten für die Entnahme von Bienenmasse. Hat man die Auswahl der Völker getroffen, am besten gleich die Königin in den entsprechenden Völkern suchen und absperren, damit man die Dame beim Abwischen nicht versehentlich mitnimmt.  Mittels Trichter kann man die Bienen gut von den Waben in die Schwarmkiste wischen. Den Trichter befeuchten wir stets wieder mit Wasser, damit die Bienen einfacher in die Schwarmkiste gleiten.  In unserem Fall haben wir Bienenmasse (2 Kilo) aus drei Bienenvölkern am Magazinstand entnommen.

  4. Wohin geht es nun mit den Bienen? 
    Je nachdem, an welchen Standort das neue Volk kommt, gilt ein anderes Vorgehen:
    • Wird die Beute 3 Kilometer oder weiter entfernt aufgestellt, kann man gleich mit dem Einlogieren in die neue Beute starten und auf die Kellerhaft verzichten.      
    • Am selben Stand sollte der Schwarm zuerst 3-5 Tage im Keller ruhig aufgestellt werden. Ohne diese «Kellerhaft» kann es sein, dass das Volk die neue Behausung ablehnt und schwärmt oder die Bienen zurück in ihre «Stammvölker» fliegen.

      Der Kunstschwarm muss zwingend gefüttert werden, da die Bienen keine Möglichkeit hatten, ihre Honigblase zu füllen.    

  5. Ab in die neue Behausung
    Nun nehmen wir einen anderen Zusetzer, bei welchem der Deckel bereits geöffnet ist (Stichwort Nachhaltigkeit) und füllen den Zusetzer mit ausreichend Futterteig. Die Königin geben wir dann in diesen Zusetzer. Die Beute wird entsprechend mit Mittelwänden bestückt und die Bienen einlogiert.

    Platziert wird der Zusetzer mit Königin am besten in der Mitte der neuen Behausung, also zwischen die neuen Mittelwände. Ein Zahnstocher oder ein Spiess dient als Befestigung des Zusetzers zwischen den Mittelwänden.

Wichtig:
Das Flugloch bleibt am besten gerade gross genug für eine einzelne Biene, da das Volk zunächst Zeit braucht, seine Verteidigung aufzubauen.

Wir füttern den Schwarm in der neuen Beute, und lassen das Volk die erste Woche in Ruhe ankommen und ausbauen. Hier ist es sinnvoll, das Volk mit dünnflüssigem Zuckerwasser (Verhältnis 1:1) zu füttern, um den schnellen Ausbau zu fördern.

Nach 7 Tagen kontrollieren wir das Volk auf Weiselrichtigkeit. Da nun noch keine verdeckelte Brut vorhanden ist, kann gleich eine Behandlung mit Oxalsäure (Oxuvar 5.7%) angewandt werden. So reduziert man den Varroa-Druck bereits um 95%. Nun kann das Volk normal weiter betreut werden. Je nach Volksstärke sollten zeitnah noch Mittelwände ergänzt werden.       


Um eine gute Bienenmasse für das neue Volk zu erreichen, sollte von einem oder mehreren Völkern möglichst junge Bienen entnommen werden. Am besten entnimmt man daher Bienen von den Brutwaben, bis man 1-3 kg (siehe Tabelle unten) an Bienenmasse erreicht hat. Beim CH-Mass (Schweizermass) braucht es für das spätere Einlogieren 2-3 Brutrahmen pro kg Bienen.  

Frage: Wie viele Bienen benötigt man für den Kunstschwarm?      

ZeitraumBenötigtes Gewicht an BienenBenötigte Brutrahmen CH-Mass
Bis Mitte Juni1 kg
1.5 kg (Bienen am selben Standort einlogieren)
3-4 Brutrahmen
Bis Mitte Juli2.0 kg5 Brutrahmen
Bis Mitte Augustkg6 Brutrahmen
Tabelle Kunstschwarm und Brutrahmen

Empfehlung für den Garten

Im Frühling haben wir Kapuzinerkressesamen im Haus vorgezogen. Bereits nach wenigen Wochen entwickelten sich aus den feinen Pflänzchen robuste Triebe. Nachdem die Pflanzen ins Hochbeet gesetzt wurden, wuchsen sie buschig und bald erschienen die ersten orangen und gelben Blüten. Das Nektar- und Pollenangebot der Kapuzinerkresse ist gut und die Tatsache, dass die Pflanze bis spät in den Herbst blüht, macht sie für Insekten sehr attraktiv. Wenn wir an letztes Jahr zurückdenken, erinnern wir uns, dass die Bienen die Pollen der Kapuzinerkresse sogar noch im Oktober gesammelt haben.

Die essbaren Blüten der Kapuzinerkresse sehen sehr schön aus und werden häufig in Salaten oder zur Dekoration von Suppen eingesetzt. Die Samen der Kapuzinerkresse lassen sich übrigens trocknen und sind drei Jahre haltbar. Wir sammeln die Samen jeweils, um dann im nächsten Jahr wieder eigene Pflanzen vorzuziehen.


Wichtig: Noch bis Ende Juli kann die raschwüchsige und pflegeleichte Kapuzinerkresse mit dem Pollen- und Nektarwert von 2 direkt draussen ausgesät werden.

Aktuelle Impressionen

Zum Abschluss des heutigen Beitrags folgen einige Impressionen aus dem Monat Juni…….

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Veröffentlicht von Claudia Kleinholz in Aktuelles aus der Imkerei, 0 Kommentare

Schwärme und Honigernte

Die Schwarmzeit

Die Schwarmzeit ist die aktivste Zeit im Imkerjahr. Die Bienen möchten sich natürlich vermehren und bilden hierzu einen Schwarm, womit sie sich vom vorhandenen Bienenvolk abspalten. Hier zieht die alte Königin mit bis zur Hälfte des Volkes ab, um Platz für die neu geschlüpfte Königin zu schaffen.

Für uns Imkerinnen und Imker gilt also: Bienen genau im Blick haben und regelmässig bei der Durchsicht des Volkes prüfen, ob das Volk in Schwarmstimmung ist. Dies erkennt man daran, dass das Volk Schwarmzellen heranzieht, worin neue Königinnen heranwachsen. Diese Zellen sind meistens am Wabenrand (unten und seitlich) und die Öffnung der Zelle ist vertikal nach unten. Die Bienen bilden erfahrungsgemäß mehrere Zellen aus und es dauert insgesamt bis zu 16 Tage (3-5-8 und die Königin ist gemacht) von der Eibelegung bis zum Schlüpfen der Königin. Es empfiehlt sich daher, jede Woche das Volk zu überprüfen. Es ist auch hilfreich, zur Mittagszeit die Fluglöcher im Auge zu behalten, ob die Bienen sich zu einem Schwarm sammeln, um sie möglichst rasch einzufangen.

Es gehört zur guten imkerlichen Praxis Schwärme einzufangen, da die natürliche Vermehrung der Gesundheit der Bienen dient. Werden die Völker sich selbst überlassen, gehen sie meist aufgrund Futtermangel oder fehlender Varroabehandlung zu Grunde. Wir haben bisher sehr gute Erfahrungen mit Bienenvölkern gemacht, die wir im Vorjahr als Schwarm eingefangen haben. Ein erhöhter Schwarmtrieb konnten wir nur vereinzelt beobachten.

Honigernte

Honig ist und bleibt ein sehr wichtiges Gut – Wusstet ihr, dass ein Topf Honig im alten Ägypten soviel Wert war, wie ein Esel?

Das Jahr 2022 ist eine Rückkehr zur Normalität bei uns Imkerinnen und Imker, was die Honigernte betrifft. Hagel, viel Regen und Überschwemmungen prägten das letzte Jahr. Dem kühlen Frühling folgte ein regnerischer Sommer. Das schlechte Wetter im letzten Jahr sorgte schweizweit für eine magere Honigernte und Völker, welche zusätzlich gefüttert werden mussten. In den letzten Jahren herrschten allerdings teilweise Rekordernten, so konnten Imkerinnen und Imker in der Schweiz im Jahr 2020 bis zu 29.5 Kilogramm Honig pro Volk gewinnen. Im Jahr 2021 folgte dann der grosse Absturz: Mit einem Ertrag von durchschnittlich 7.2 Kilo Honig pro Volk sind die Werte an einem Tiefpunkt angelangt.   

Nun heisst es dieses Jahr wieder Honigwaben entnehmen, Wassergehalt prüfen, entdeckeln, schleudern, sieben und den Honig in Gläser abfüllen. Am 22. Mai haben wir den Honig unserer Völker geerntet und geschleudert. Gestartet haben wir morgens um 10.00 Uhr, nach 13 strengen Stunden waren wir fertig, die Schleuder ist wieder blitzblank und die Kessel sind mit Honig gefüllt. Dieser Aufwand hat sich sehr gelohnt und das Butterbrot mit eigenem Honig zum z’Nacht war ein voller Genuss!

Filmempfehlung

Kommen wir nun noch zu einer Filmempfehlung. Der Dokumentarfilm «Tagebuch einer Biene«, welcher im Jahr 2021 in den deutschen Kinos gezeigt wurde, gibt faszinierende Einblicke in das Leben der Honigbiene und ist nun endlich als DVD oder über Streamingdienste verfügbar.

Die Makroaufnahmen sind fantastisch und man erhält tiefe Einblicke in ein Bienenvolk, welche man selbst als Imker/in selten zu Gesicht bekommt.

Impressionen Mai 2022

Zum Abschluss des heutigen Beitrag folgen einige Impressionen aus dem Monat Mai….  

 
Wir wünschen euch einen schönen Frühling!

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Honigraum aufsetzen und Brutableger bilden

In dieser Kategorie unseres Blogs möchten wir euch monatlich über unsere Arbeiten an den Bienen informieren. Im April konnten wir bei unseren Völkern den Honigraum aufsetzen. Weiter haben wir eine Methode zur Bildung eines Brutablegers getestet. Doch mehr dazu weiter unten….

Honigraum aufsetzen

Dieses Jahr haben wir viel bessere und konstantere Temperaturen als letztes Jahr, weswegen der Honigraum letzte Woche mit gutem Gewissen aufgesetzt werden konnte. Unsere Völker haben sich schon stark entwickelt und haben den Honigraum sehr schnell angenommen. Die Tracht und das warme Wetter spielen jetzt natürlich sehr gut zusammen und sorgen hoffentlich für eine gute Entwicklung der Völker und einen guten Honigertrag.

Brutableger mit nur einer Wabe

Letztes Jahr haben wir am Imkergrundkurs von der Variante erfahren, einen Brutableger mit nur einer Brutwabe zu bilden. Einige Recherchen haben gezeigt, dass diese Methode von Dr. Pia Aumeier, einer erfahrenen Imkerin und Bienenwissenschaftlerin stammt. Bei diesem Verfahren, welches bereits in vielen Vorträgen und Fachbeiträgen als erfolgsversprechend bezeichnet wird, geht man folgendermassen vor:

  1. Bienenkönigin finden und im Stammvolk belassen
    Hier seht ihr eine Wabe mit der Bienenkönigin (rot umrandet), welche wir im Muttervolk belassen.

  2. Geeignete Brutwabe mit Bienen auswählen
    Dabei muss die Wabe zu einem grossen Teil verdeckelte Brut enthalten und mit vielen Bienen besetzt sein. Es ist wichtig, dass die Brutwabe auch Eier oder zumindest sehr kleine Rundmaden enthält. Diese Wabe haben wir für den Brutableger verwendet. Die Rückseite war voller Bienen und Brut in allen Stadien. Auf der Vorderseite sind die frischen Eier zwischen der verdeckelten Brut gut zu sehen.

  3. Wabenanordnung in der neuen Beute
    Die ausgewählte Brutwabe kommt mit einer Mittelwand und einer vollen Futterwabe in eine andere Bienenbeute. Das Flugloch verkleinert man so stark, dass nur noch eine Biene hindurch passt. Sollte keine Futterwabe vorhanden sein, kann alternativ ein Liter Flüssigfutter zugefüttert werden.

  4. Standort Ableger
    Den Ableger platziert man mindestens zwei Kilometer vom Muttervolk entfernt.

Wie geht es weiter?       
Die Bienen ziehen nun selbst eine neue Königin nach. Diese fliegt dann für den Hochzeitsflug aus und befindet sich nach erfolgreicher Begattung innerhalb von vier Wochen nach Ablegerbildung in Eiablage.

Merkpunkte:

Diese Methode kann man bis ca. Mitte Mai anwenden. Mehrfach wiederholt, verhindert sie die Schwarmstimmung bei geringem Eingriff in das Bienenvolk und liefert viele Jungvölker. Bildet man einen Brutableger früh im Jahr, so reicht eine Brutwabe aus. Je später im Jahr man Ableger bildet, umso mehr Brutwaben benötigt ein Bienenvolk, um sich bis im Herbst zu einem überwinterungsfähigen Volk zu entwickeln.

Habt ihr bereits Erfahrungen mit einem Brutablegen mit nur einer Wabe gemacht?    
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Wir sind gespannt auf eure Erfahrungen!

Aktuelles aus der Presse

In der Tagesschauausgabe vom 17.04.2022 wurde ein Beitrag veröffentlicht, der zum Nachdenken anregt: «Imkerboom hilft den Honigbienen – gefährdet aber die Wildbienen». In diesem Beitrag wird gezeigt, dass sich die Schweizer Honigbienen erholt haben, gleichzeitig gehen allerdings die Wildbienen-Bestände zurück. Die Insekten tun sich zwar gegenseitig nichts an, aber sie stehen in Konkurrenz.
Link zum Beitrag

Frühlingserwachen

Die Apfelbäume vor unserem Haus blühen bereits und werden fleissig von Hummeln, Wildbienen und Honigbienen bestäubt. Es brummt wunderbar, wenn man unter den Bäumen steht. Probiert es mal aus und setzt euch unter einen Baum und lauscht dem Summen der Bienen. Es ist einfach himmlisch!

Zum Abschluss des heutigen Beitrags zeigen wir euch gerne einige frühlingshafte Impressionen.

Veröffentlicht von Claudia Kleinholz in Aktuelles aus der Imkerei, 0 Kommentare

Die Winterruhe beginnt…

Heute war das Wetter wunderbar, die Sonne schien den ganzen Tag und die Bienen haben noch fleissig Pollen und Nektar eingetragen. Beim Beobachten der heimkehrenden Bienen sind uns die gelb-orangen und hellbraunen Pollenhöschen aufgefallen, welche auf den Efeu hindeuten.

Efeu blüht erst im Spätherbst und ist aufgrund der späten Blüte eine wichtige Nahrungsquelle der Bienen. Die unscheinbaren Blüten des Efeus werden von den Bienen regelrecht belagert.

Die meisten Bienenvölker ziehen sich nun langsam zurück und die Winterruhe beginnt. Abhängig von der Volksgrösse ist es wichtig, dass jedes Volk über genügend Futtervorräte verfügt. Da die Bienen im August und September gut von uns auf den Winter vorbereitet und aufgefüttert wurden, können wir uns nun etwas zurücklehnen.

Heute haben wir unsere Völker noch einmal kontrolliert, den Milbentotenfall gemessen und das Bienenhaus auf den bevorstehenden Winter vorbereitet.

Wir können nun ohne schlechtes Gewissen eine Pause einlegen. Doch ganz ohne Bienen und Imkerei wird es die nächsten Wochen und Monate nicht sein, denn bald starten die Vorbereitungen und die Planung für das nächste Jahr…

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